Von meiner Cousine ausgeliehen lag dieses Buch schon einige Jahre als SuB-Leiche in meinem Regal – irgendwie kam mir immer ein anderes Buch dazwischen, das ich dringender lesen wollte. Nachdem ich aber nun meinen SuB konsequent abbaue, und mit den Einzelromanen angefangen habe, war es dann aber endlich auch einmal an der Reihe.

Der Hauptgrund, warum ich es immer wieder nach hinten geschoben habe war die Tatsache, dass ich mit dem Setting nicht viel anfangen kann. Wenn ich schon historische Fantasy lese, dann für gewöhnlich in einem mittelalterlichen Setting. Die Zeit der Dreißigjährigen-Krieges, der Hexenverbrennungen etc, ist historisch gesehen eine der Epochen die mich absolut gar nicht anspricht. Und ich bin ehrlich, wäre das Buch nicht vom Meister persönlich geschrieben worden, ich hätte es gar nicht erst ausgeliehen und tatsächlich nicht gelesen. Aber wo Markus Heitz drauf steht gebe ich automatisch einen gewissen Vertrauensvorschuss, dass mit eine Story auch dann gefällt, wenn sie auf den ersten Blick nicht nach Material für meinen Geschmack aussieht.
Wir folgen also der Engländerin Aenlin Kane, die mit ihrer Gefährtin Tahmina – einer Mystikerin aus Persien – nach Deutschland reist, um dort das mysteriöse Erbe ihres Vaters anzutreten. Um dies zu erreichen verbündet sie sich mit einem Trupp Landsknechte, um einen Auftrag der Ostindischen Kompanie auszuführen, die bis dato im Besitz ihres Erbes ist. Die Mission scheint ein kleines Übel zu sein, um im Gegenzug ihr Erbe zu erhalten, doch schnell entpuppt sie sich als weitaus gefährlicher als gedacht, und Aenlin und ihre Gefährten sehen sich Mächten gegenüber, von denen sie bis dato nicht einmal ahnten.
Wie ich bereits im Vorfeld vermutet hatte, lag mir von Beginn an das Setting nicht wirklich. So verworren der Dreißigjährige Krieg in der Realität war, so schwierig fand ich nachzuvollziehen, wer da in welcher Region des Landes gerade gegen wen kämpft, und warum. Protestanten gegen Katholiken, Grafen gegen Herzöge, Schweden gegen Deutsche – die Konflikte waren so vielschichtig, dass ich gar nicht mehr versucht habe, den Überblick zu behalten. Zum Glück waren die genauen Details dessen, wer nun mit wem und gegen wen, für die Story nicht von zu großem Belang.
Die Story selbst war… naja. Mir fällt ehrlich gesagt kein treffenderes Wort ein. Ich fand sie schlicht ein wenig abstrus. Es gab viele lose Fäden, die sich im Laufe der Story immer wieder mal verwickelt haben, wo man aber trotzdem nicht wirklich verstand, wem es nun worum genau überhaupt geht. Dahingehend blieb nur auf das Ende zu hoffen, das dann alle Fäden sinnvoll verknüpfen sollte. Nur, dass es das leider in keinster Weise tat. Der Hauptstrang der Story wurde zwar zum Abschluss gebracht, aber viele Hintergründe, wie es überhaupt zu all den Ereignissen kommen konnte, blieben völlig unklar. Das lässt mich immer sehr unzufrieden zurück. Ich muss nicht immer alles verstehen wenn ich es lese, ich mag es wenn Spannung entsteht und man nicht sofort alles durchschaut – das wäre ja langweilig. Aber am Ende der Story möchte ich dann schon wissen, wie alles überhaupt zusammen hängt, ich möchte diesen großen „Aha!“-Moment, bei dem sich alles klärt.
Das letzte was den Roman eigentlich noch hätte retten können wären also die Charaktere gewesen. Aber auch die konnten mich nicht wirklich ansprechen. Auch hier blieb bei vielen der Hintergrund viel zu sehr im Dunklen. Sie waren zwar nicht völlig konturlos, aber wirklich in die Tiefe gingen sie meinem Empfinden nach auch nicht. Wirklich warm werden konnte ich mit keinem der Protagonisten, entsprechend fiel es auch schwer, mit ihnen mitzufiebern.
Fazit:
Zusammenfassend kann ich sagen, es war vom Schreibstil her kein schlechter Roman, und auch die Story war nicht so schlecht, dass ich mich vollends gelangweilt habe oder ihn gar hätte abbrechen müssen. Aber er konnte mich auch nicht so fesseln, dass ich ihn ihn verschlungen hätte oder ihn vorbehaltlos empfehlen würde. Definitiv keiner der besseren Romane von Markus Heitz, meinem Empfinden nach. Leider!